Vergiftung

Es gibt viele Geschichten über Ziegen, die Giftpflanzen fressen – scheinbar ohne böse Folgen. Manche Pflanzen sind nur in bestimmten Situationen giftig, bei anderen ist die Menge entscheidend. Viele sind bitter, so dass die Ziegen sie meiden, ausser es gibt nichts anderes mehr. Haben Ziegen die Wahl, ist die Vergiftungsgefahr geringer.

Symptome, die auf Vergiftung hindeuten: Aufgetriebener Bauch,  Speichelfluss, Unruhe, Ängstlichkeit, ev. Krämpfe, Zittern, Erbrechen, Blut im Kot (Leitfaden der Ziegenkrankheiten, 1950), kalte Extremitäten, bei grossen Schmerzen Schreien und mit dem Fuss auf den Boden schlagen

Behandlung
Hierzu gibt es wenig in der aktuellen Literatur. Im Leitfaden der Ziegenkrankheiten von 1950 sind Glaubersalz erwähnt und zur Stützung des Kreislaufs später, Tee, Kaffe, Rotwein.
Auch die Gift-Beratungsseite der Uni Zürich rät zu Glaubersalz (Natriumsulfat) und vor allem zu Aktivkohle: Es gäbe wenig Stoffe, die nicht von Aktivkohle absorbiert würden.
Mit Natrium Bicarbonat (Backpulver) sollte man eine Azidose abfedern.
Nach einer Vergiftung kühlt der Körper aus, deshalb sollte man die Patientin nach Möglichkeit in eine Decke einpacken oder ihr Rotlichtbestrahlung gönnen. So entlastret man den Körper.
Juliette de Bairacli Levy schreibt in The Complete Herbal Handbookfor Farm and Stable daselbe wie die Uni Zürich – nur 60 Jahre früher. Danach empfiehlt sie täglich drei Mal einen Drench aus je  2 EL Rotulmepulver, 2 Aktivkohletabletten, 1 EL Honig in 150 ml entrahmter Milch. Dazwischen sollte die Ziege viel Wasser trinken. Diese Behandlung führt man über mehrere Tage fort, bis Erbrechen und Durchfall sich legen. In der Folge schwarzen Tee.
Eisenkraut und Weinraute helfen auch bei Vergiftungen, morgens und abends  1 TL.

Kritisch merkt Juliette de Bairacli Levy an, dass jene Ziegen, die keine vielfältige Weide haben und die dann ausbrechen, besonders gefährdet sind, sich auf ihrem Ausflug zu vergiften – weil ihnen jede Erfahrung fehlt.

 

Vergiftung auf der Weide

Eine Liste der für Ziegen giftigen Pflanzen hat Botanicus zusammengetragen.
Die Datenbank der Uni Zürich zur Veterinärpharma- und -toxikologie geht ins Detail und betrachtet Pflanzen, aber auch Futtermittel und Medikamente.

 

Ackerschachtelhalm
Sein Enzym Thiaminase zerstört Vitamin B1 (Thiamin) und führt nach und nach zum Tod durch CCN. Genau beschrieben für Pferde und Kühe bei Botanikus.

 

Hahnenfuss
Hahnenfuss ist nur als Heu nicht mehr toxisch.
Botanikus.de schreibt: Symptome sind Erbrechen, Durchfall, Störungen des Nervensystems sowie Entzündungen der Mundschleimhäute. Bei Rindern besteht Vergiftungsgefahr, wenn Hahnenfuß in großen Mengen auf den Weiden auftritt. Das Mähen vom Hahnenfuß und auch vom Jakobs-Greiskraut ist der falsche Weg die Pflanzen einzudämmen, denn durch das Mähen treiben sie wieder junge Triebe aus, die für 6 – 7 Wochen noch keine Bitterstoffe, gleichwohl die Giftstoffe enthalten und somit von Pferden und anderen Tieren gefressen werden können.

 

Greiskräuter / Kreuzkraut
(Senecio spp.) wachsen auf erschöpften Weiden – und verschwinden, wenn diese nach einer Bodenanalyse mit Mineralien behandelt wurden (in einem konkreten Fall also mit Dolomit, Kalk und Kalziumsulfat). Beim Grasen werden sie gemieden, im Heu aber mit gefressen. Die Vergiftungserscheinungen treten erst Monate später auf, die Leber wird geschädigt – das ist nach der Schlachtung gut zu erkennen: Die Leber ist dann klein, flach und hart.

Alkaloide schädigen die Leber und können Krebs auslösen, sie wirken kumulativ, kleine Dosen summieren sich und führen erst Monate später zum Tod; sie sind enthalten in den Greiskraut-Arten, Sonnenwende (Heliotrop), Lupinen, Ginster, Immergrün, Goldregen, Tollkirsche, Stechapfel, Bilsenkraut, gefleckter Schierling,  Eisenhut, Rittersporn,  Sumpfschachtelhalm in feuchten Wiesen, giftig auch in Silage und Heu. Auch unsere Genussmittel: Kaffee, Tee, Coca-Strauch, Betelnuss-Palme enthalten Alkaloide.

 

Klee
Alle Klee-Arten sind gute Futterpflanzen, die aber vergiften können, wenn auch nur in Abhängigkeit von Jahreszeit, Witterung und der verfütterten Menge. Speziell Rotklee hat Giftpotenzial. Näheres bei der Datenbank der Uni Zürich CliniPharm/CliniTox .

 

Nitratvergiftung
Speziell im Klee kann Nitrat zu Nitrit umgewandelt werden.

 

Senfölhaltige Rapskuchen
Symptome: Gelbe und braunrote Flecken zeigen sich an Lippen, Euter und an der Scheide. Appetitlosigkeit, Milch versiegt, Kolik, Blähung. Der „Leitfaden der Ziegenkrankheiten“ schreibt dies und empfiehlt einschleimende Mittel einzugeben, z.B. Leinsamenschleim.

Unter den Gartenblumen finden sich sehr viel Pflanzen, die für Ziegen giftig sind. Da Ziegen in der Regel einen Weg finden in einen Garten zu gelangen, wenn sie ihn denn sehen, tut man gut daran, möglichst auf Giftpflanzen zu verzichten. Büsche und Bäume im Garten sind für Ziegen erstes Ziel, z.B. die tödlichen Oleander, Buxbaum, Eibe oder

 

Vergiftung im Vorgarten

Rhododendron
Symptome sind: Zentralnervöse Erregungs- und Lähmungserscheinungen sowie periphere Muskellähmungen, Depression, Zähneknirschen. Der „Leitfaden der Ziegenkrankheiten“ empfiehlt dann anregende Mittel: Coffein, Cardiazol, Alkohol, da das Gift des Rhododendron narkotisierend wirkt. Dazu einschleimende Mittel eingeben, z.B. Leinsamenschleim.
Pat Coleby hat Vergiftungen oft einfach mit einer sehr grossen Dosis Vitamin C „entgiftet“ – erfolgreich. Selbst eine Gruppe Ziegen die sich mit Rhododendron vergiftet hatte, konnte so gerettet werden.

Buxbaum und Eibe
sind sehr giftig.

 

 

Mineralische Gifte
Düngemittel.

Bleivergiftung durch Ablecken von Menningeanstrichen.
Symptome: Zuckungen, Zittern, Schmerzen, Krämpfe, Tod. Bei geringen Mengen führt zu Abmagerung, Bewegungsstörungen, Bleisaum an den Zähnen.

Kupfervergiftung nach Anwendung von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln. Keine Symptome. Der Verlauf ist chronisch, weil das Kupfer u.a. in der Leber gespeichert wird.

 


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