Pansen

Pansenalkalose
Schaumige Gärung
Pansenausgang verstopft
Pansenazidose

Pansenalkalose

Ruminal alkalosis

Ursache:
Zu viel Einweiss bildet vermehrt Ammoniak, welcher Leber und Pansenflora überlastet und pH Wert erhöht.

Behandlung:
pH Wert absenken, Pansenflora regenerieren, Heu.

 

Schaumige Gärung

Tympanie, Trommelsucht, Meteorismus, Blähsucht
Bloat, Tympany

Bauch ist aufgetrieben, vorallem der Pansen (linke Seite). Das Atmen fällt schwer, ein qualvoller Tod steht bevor.

Ursache:
Panseneingang verstopft: Pansengase können nicht entweichen. Schaumige Gärung (oder Apfelstück) verschliesst die Speiseröhre.
Schaumige Gärung entsteht durch leicht gärendes Futter (Fallobst), Leguminosen vor der Blüte,  welkes, erwärmtes oder nasses Grünfutter, Giftpflanzen.

Behandlung:
Oberflächenentspannendes Mittel (Spüli) eingeben, das löst den Schaum auf; so können die Gase abgerülpst werden. Wichtig: Schmerzmittel, das erleichtert und entspannt (Buscopan-Zäpfchen) Auch warme Umschläge entspannen. Pansenpulver zur Regeneration der Flora, Rauhfutter.

Colosan hilft bei Durchfall und Blähungen, es enthält Wirkstoffe von Ölen aus Bitterfenchel, Sternanis, Kümmel, Zimt, Leinsamen sowie Schwefel. Man gibt es zusammen mit Speiseöl seitlich in die Backentasche, 1ml/10kg Körpergewicht.

Juliette de Bairacli Levy engänzt: Gegen Schmerzen hilft Tee aus Lakritze  und Dillsamen lange gekocht. Danach Petersilie, Minze und Thymian, Aktivkohle.

Prävention:
Klee, Luzerne, Äpfel etc. immer in kontrollierten Mengen; Futterumstellung jeweils in kleinen Dosen beginnen. Nicht bei Frost grasen lassen.

Pansenausgang verstopft

Impaction of the rumen

Ursache:
Plastikfetzen, Rauhfutter, fehlende Feuchtigkeit. Raufutter in der Mischration kann im Pansen unverdauliche Matten bilden.

Behandlung:
Futter entziehen, viel Wasser (einführen) und sanftes Abführmittel.
Chirurgische Ausräumung.

Pansenazidose

Pansenübersäuerung, Acidosis, Indigestion

Ursache:
Pansen übersäuert wegen zu viel energiereichem Futter: Getreide, Zuckerrüben

Behandlung:
Backpulver (Natron, Natriumbicarbonat), oder der 15-30 gr Bittersalz (Magnesiumsufat) in Wasser gelöst oral einführen.
Tränke mit Schlemmkreide oder Zeolith puffert ebenfalls den tiefen pH Wert.
Kreislaufmittel, ausschliesslich Rauhfutter!

Der folgende Durchfall verlangt Kohle, welche Gifte bindet und beruhigt.

ev. chirurgische Pansenausräumung
Festliegende Tiere in Agonie sollten getötet werden.

 

Praxisbeispiele:
Dass die Tiere in den Futterteil einbrechen und sich da bedienen, kommt bei mir (Cristina Perincioli) schon mal vor.  Ein Lamm habe ich dadurch verloren; dem gelang es, die Getreide-Kiste aufzubrechen und sich zu überfressen. Es ist qualvoll gestorben, weil ich keinen Rat wusste, die Tierärztin nicht kam und auch keinen Rat gab.

Wenn erwachsene Ziegen im Futterteil räuberten, blieb das bisher ohne ernste Folgen. Als dies jetzt wieder geschah, schaute ich erst mal, was passiert:  Ich sah Durchfall, dann fras und trank die Übeltäterin nicht mehr, zeigte aber keine Pansenblähung oder Schmerzen, gab auch weiter Milch.
Das erstaunte den Tierarzt, den ich Tage später anrief. Er warnte: Pansenazidose schädigt die Eingeweide nachhaltig, gerade auch die Leber! Die Milch zeigt dann hohe Zellzahlen. Ich könne nur hoffen, dass es nicht zu spät sei!

Inzwischen hatte ich der Ziege Pansenstimulans und Backpulver – beides in Wasser gelöst – per Drencher eingegeben und sie fras auch schon etwas Heu und kotete in Kügelchen. Aber ich hatte Tage gewartet, in der Annahme, dass sie sich selbst erholt. Richtig wäre gewesen, unmittelbar nach der Fressattacke das Natrium-Bicarbonat (Backpulver) zu verabreichen, um den fallenden pH Wert – die Übersäuerung – abzufangen.

Jetzt kann man sich nur noch darum bemühen, die Verdauung wieder in Gang zu bringen, die dafür notwendigen Mikroorganismen in den Pansen zu bringen: Pansenstimulanz-Pulver sollte diese Mikroorganismen enthalten (Lagerung und Alter entscheiden darüber, ob diese noch lebendig sind…). Am idealsten, man entnimmt einer gesunden Ziege Panseninhalt und verabreicht diesen der Kranken. Leichter ist es, den Kot einer Gesunden in Wasser zu lösen und oral einzugeben. Der Kot enthält noch Reste der erwünschten Mikroorganismen.

Auch ist es heilsam, wenn die Ziege reichlich trinkt, das verdünnt die Übersäuerung. Meine Kranke hatte aber auch aufgehört zu trinken – obwohl sie weiter Milch gab! Empfehlung vom Tierarzt: Salz in Wasser lösen und per Drencher aplizieren, das macht sie durstig. Etwas Salz in die Tränke, das animiert zum Trinken.

Am Tag drauf begann sie wieder zu fressen und zu kauen…

 

 

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